1. 10 000 neue ProfessorInnen für eine bessere Betreuung der Studierenden!
Die Betreuungsrelationen an deutschen Hochschulen sind teilweise erschreckend. Für eine individuelle Förderung und Betreuung der Studierenden brauchen wir eine sofortige Aufstockung der Anzahl der ProfessorInnenstellen in einem solchen Maß, dass das Betreuungsverhältnis mindestens das Niveau der Schweiz erreicht. Das bedeutet bundesweit die Schaffung von 10280 neuen rofessorInnenstellen alleine an den Universitäten. Hinzu kommt die Schaffung entsprechender zusätzlicher wissenschaftlicher und nicht wissenschaftlicher MitarbeiterInnenstellen.
2. Finanzielle Ausstattung verbessern: Investitionsprogramm von 8 Mrd. Euro jährlich!
Für die Schaffung der zusätzlichen Stellen an den Universitäten wären Investitionen von insgesamt 3,3 Mrd. Euro dringend notwendig. Damit das gemeinsame Niveau der Betreuungsverhältnisse an Universitäten und Fachhochschulen entsprechend angehoben werden kann brauchen wir 5 Mrd. Euro jährlich sowie einen massiven Anstieg der Grundmittel der Hochschulen in den nächsten Jahren. Um außerdem wenigstens dem dringendsten Sanierungsbedarf der Hochschulgebäude nachzukommen besteht ein Bedarf von 25 Mrd. Euro. Hinzu kommen Gelder für den Umbau von Gebäuden auf Barrierefreiheit und zur Schaffung besserer Lern- und Lehrbedingungen. Insgesamt ist daher ein sofortiges Investitionsprogramm von rund 8 Mrd. Euro jährlich notwendig.
3. Kooperative Förderung durch Bund und Länder ermöglichen!
Bildung ist entscheidend für unsere Zukunft und darf nicht durch unnötige Blockaden im Rahmen föderalistischer Strukturen behindert werden. Für eine Verbesserung der Lehre ist ein gemeinsames Handeln von Bund und Ländern unumgänglich.
1. Lehre in den Mittelpunkt stellen!
Der Stellenwert der Lehre muss endlich mindestens dem der Forschung gleichgestellt werden. Die Lehrkompetenz der BewerberInnen muss dafür ein entscheidendes Berufungskriterium werden. Darüber hinaus müssen studentische VertreterInnen deutlich mehr Einfluss in Berufungskommissionen bekommen. Neben einer paritätischen Besetzung des Gremiums nach Statusgruppen muss es ein Veto-Recht der studentischen VertreterInnen sowie obligatorische öffentliche Probevorlesungen der BewerberInnen geben, bei denen per Evaluation am Schluss ein Votum einer größeren Zahl von Studierenden eingeholt wird.
2. Arbeitsbedingungen an den Hochschulen verbessern!
Ein großer Teil der Lehre wird von Angehörigen des Mittelbaus geleistet, die zum Teil unter prekären Bedingungen beschäftigt sind. Gute Lehre braucht aber gute Arbeitsbedingungen. Dazu gehören Verträge, die nicht lediglich auf drei Monate beschränkt sind, ArbeitnehmerInnenrechte in vollem Umfang, Überstunden die nur im Notfall geleistet und angemessen bezahlt werden sowie ein kollegiales Arbeitsklima.
1. Gelungene Organisation, Betreuung und Beratung!
Gute Lehre beginnt mit einer gelungenen Organisation des Studiums. Es bedarf einer zeitlichen Koordination, einem realistischen und zu bewältigenden Workload sowie einer inhaltlichen Abstimmung der Lehrveranstaltungen aufeinander. Außerdem müssen die Verständlichkeit der Studien- und Prüfungsordnung und deren Nachvollziehbarkeit durch die Studierenden gewährleistet sein, unter anderem in dem die Studierenden in den Prozess der Erstellung von Ordnungen mit einbezogen werden.
Gerade in der Studieneingangsphase ist außerdem ein spezielles Betreuungsangebot sinnvoll und notwendig, um Information, Orientierung und Bindung zu vermitteln. Daran anschließen sollen sich studienbegleitende Tutorien, für die das Lehrpersonal eine spezielle Schulung in Form von Kursen in Qualifizierungsprogrammen erhält.
2. Die Einheit von Forschung und Lehre als Grundlage für gute Lehre, forschendes Lernen und Praxisbezug!
Selbstverständlich gehört zu guter Lehre eine hohe fachliche Qualität der Veranstaltungen. Die Lehre muss sich an aktuellen Forschungsergebnissen orientieren, was nur durch eine Verzahnung von Forschung und Lehre möglich ist. Es darf deshalb bei Professuren und Hochschulen keine Ausdifferenzierung in Forschungs- und Lehrtypen geben. Zu guter Lehre gehört, Studierenden schon während des Studiums die Möglichkeiten einer Forschungsteilnahme zu bieten sowie den Forschungsbezug in der Lehre herzustellen. Gute Dozierende spannen außerdem einen Bogen zwischen Theorie und Praxis, wobei je nach Studiengang auch in das Studium integrierte Praktika helfen können.
3. Neue Lehr- und Lernformen als zentrales Instrument zur Verbesserung der Lehre!
Gute Rahmenbedingungen und eine einwandfreie Organisation des Studiums reichen aber nicht aus. Die entscheidende Veränderung, um eine wirklich Verbesserung in der Lehre zu erreichen, ist die Einführung neuer Lehr- und Lernformen und ein Umdenken im Miteinander von Studierenden und Dozierenden.
a) Erlernen selbstständigen und wissenschaftlichen Arbeitens, kritisches Denken fördern!
Ziel guter Lehre sollte nicht nur eine reine Wissensvermittlung sondern vor allem auch eine Vermittlung von Kompetenzen und überfachlichen Qualifikationen sein. Studierende sollen lernen, selbstständig und wissenschaftlich zu arbeiten. Hierfür ist es nötig, im Studium Freiräume für selbstständige Arbeit zu lassen, daher müssen das Selbststudium sowie Lernen in Kleingruppen dringend gefördert und selbstorganisierte Seminare anerkannt werden. Eine wissenschaftliche Herangehensweise an Fragestellungen sollte durch Forschungsteilnahme vermittelt werden. Problemorientiertes Lernen sowie das Projektstudium können dazu beitragen, nicht nur selbstständig sondern auch fächerübergreifend zu lernen. Kritisches Denken und Hinterfragen müssen gefördert sowie ein Problem- und Methodenbewusstsein entwickelt werden.
b) Einbeziehen der Studierenden – für ein Miteinander auf Augenhöhe!
Nur wenn Studierende gleichberechtigt in den Lehrprozess mit einbezogen werden kann gute Lehre stattfinden! Studierende und Dozierende sind aktive Partner in einem gemeinsam zu gestaltenden Lernprozess. Beide Seiten sind Lehrende und Lernende zugleich. Raum für Diskussionen und eine Mitgestaltung der Veranstaltungen durch die Studierenden gehören deshalb ebenso zum Studium wie von den Studierenden in Eigenorganisation durchgeführte Seminare, Tutorien, Workshops oder kleine Forschungsprojekte.
c) Rückmeldungen und Orientierung für die Studierenden geben, geeignete Prüfungsformen schaffen!
Noten und Prozentzahlen sind als Orientierung über den eigenen Entwicklungsstand wenig geeignet. Jedem und jeder Studierenden sollte regelmäßig eine individuelle Rückmeldung und Orientierung gegeben werden, um zu erkennen, in welchen Bereichen Fortschritte zu sehen sind und in welche Richtung es weitergehen soll. Die in den meisten Studiengängen immer noch deutlich zu hohe Anzahl der Prüfungen muss dringend weiter gesenkt werden. Auch sind die genutzten Prüfungsformen meist nicht geeignet, die eigentlichen Lernziele abzuprüfen. Statt Eigenständigkeit und Methodenkompetenz wird häufig detailliertes Faktenwissen abgefragt. Es ist an den Dozierenden, endlich alternative und den Lehrveranstaltungen und –zielen angemessene Prüfungsformen anzuwenden.
4. Didaktische Qualifikation der Dozierenden verbessern um neue Lehr- und Lernformen umzusetzen!
Gute Lehre kann nur stattfinden, wenn die didaktische Vermittlung der Lehrinhalte und der Kompetenzen funktioniert. Dozierende müssen neben ihrer fachlichen Kompetenz auch große Kompetenzen im Bereich der Hochschuldidaktik haben, um strukturierte, ansprechende und gehaltvolle Veranstaltungen anbieten zu können. Zum Lehren gehört auch das Lernen an sich zu ermöglichen.
a) Einführung eines verpflichtenden flächendeckenden hochschuldidaktischen Qualifizierungs- und Fortbildungsprogramms für Dozierende
Hochschuldidaktische Kurse sollen sich an alle Dozierenden richten und demnach bereits während der Promotionsphase beginnen. In einem Stufensystem erlangen die Dozierenden nach und nach verschiedene Qualifikationen. Die sollen ihnen bei der Konzeption von Lehrveranstaltungen und Prüfungen bis hin zu ganzen Studiengängen helfen, sie auf Beratungsaufgaben vorbereiten und vor allem didaktische Methoden vermitteln. Durch Peer-Evaluationen² können fortgeschrittene Dozierende sich gegenseitig Rückmeldung geben, voneinander Lernen und die eigenen Veranstaltungen weiter verbessern. Die Weiterbildungsmöglichkeiten sollten verbessert werden, in dem zum Beispiel didaktische Freisemester als Äquivalent zu Forschungssemestern ermöglicht werden.
b) Ausbau von Fortbildungseinrichtungen, Fachzentren und zentralen Didaktikstellen
Einhergehen muss die Einführung des Qualifizierungsprogramms mit der Einrichtung bzw. dem Ausbau von hochschulischen Fortbildungseinrichtungen und Fachzentren für Hochschullehre sowie der Schaffung einer zentralen Didaktikstelle mit studentischer Beteiligung an jeder Hochschule.
² Peer-Evaluation: „Begutachtung durch Ebenbürtige“, in diesem Fall evaluieren bspw. ProfessorInnen gegenseitig ihre Veranstaltungen