Jusos Greifswald-Ostvorpommern

Jusos Greifswald-Ostvorpommern:
Auch wir sind Greifswald - Schnauze halten war gestern!

Gestern hat, nach vielen anderen, auch die Greifswalder CDU-Bürgerschaftsfraktion eine Stellungnahme zur möglichen Umbenennung der Greifswalder Universität abgegeben. In dieser spricht sie sich für den Erhalt des stark umstrittenen Namenszusatzes “Ernst Moritz Arndt” aus. Hierzu erklären die Jusos:

Die Universität weiß, was sie tut

Die Frage, wie man mit dem Namen der Universität weiter verfahren soll, wird in Greifswald seit zehn Jahren diskutiert. Letztes Jahr hat der Senat der Universität eine Expertenkommission zu diesem Thema einberufen. Wir meinen, dass dieses Thema hier richtig aufgehoben ist, auch weil es der Senat ist, der am Ende diese Frage zu entscheiden hat. Warum die CDU sich plötzlich positioniert und weitere Stellungnahmen fordert, ist leicht durchschaubar. Wir hoffen, dass es ihr nicht gelingt, einen Keil zwischen Stadt und Universität zu treiben.

Auch wir sind Greifswald – Schnauze halten war gestern

Axel Hochschild ließ verlautbaren, “die Studenten” sollten sich lieber “um ihr Studium kümmern”; die Debatte sei schädigend für die Universität. Wir meinen: Die Universität und ihre Mitglieder sind genauso Teil der Stadt Greifswald, wie alle anderen Bürgerinnen und Bürger. Sowohl die Kulturlandschaft als auch der Wirtschaftsstandort Greifswald leben zu einem großen Teil von der Universität. Ohne die Universität wäre die Lage der Hansestadt eine deutlich andere. Dass im Zusammenhang mit der Umbenennung die Studierenden, MitarbeiterInnen und ProfessorInnen, die sich für eine Ablegung des Namens stark machen, als Bürgerinnen und Bürger zweiter Klasse behandelt werden sollen, ist unmöglich. Wir sind Teil dieser Stadt. Als solcher möchten wir auch behandelt werden: Jeder und jede hat das Recht, sich mit den Themen zu befassen, die ihm am Herzen liegen. Ratschläge von Herrn Hochschild und der CDU sind an dieser Stelle fehl am Platz.


Vor zwanzig Jahren wurde nicht zuletzt für die akademische Freiheit demonstriert. Die Zeiten, in denen Universitäten und ihre Mitglieder Anweisungen von “oben” entgegenzunehmen hatten sind hoffentlich vorbei. In einer solchen Debatte sind neue Beiträge begrüßenswert — politische Instrumentalisierung von Wissenschaft sollte Geschichte sein. Das betrifft auch den Namen der Universität.

Universität als Ort des Streits

Uns irritiert auch, wie in der Debatte um Ernst Moritz Arndt der Sinn und Zweck von Wissenschaft verkannt wird. Meinungsvielfalt, Meinungsaustausch und kritische Betrachtung, auch sich selbst betreffend, gehören zum Wesen einer Universität. Ihr Ziel in einer freien Gesellschaft sollte es sein, kritische Geister herauszubilden. Studierenden zu sagen, sie sollten aufhören zu diskutieren und ihrem Studium nachgehen, ist wie einem Maler zu sagen, er solle aufhören, Farbe anzurühren und endlich “richtig” arbeiten — nämlich anmaßend.


Gegnerinnen und Gegner der Namensänderung erklären häufiger, die Debatte zu führen würde dem Ansehen der Stadt Greifswald schaden. Das ist nicht wahr. Schädlich sind der raue Ton und die Rücksichtslosigkeit, mit der hier auf das Engagement und die Meinung eines Teils der Greifswalder Bevölkerung reagiert wird. Für eine weltoffene Stadt ist es wichtig, dass dies sich in Zukunft ändert.